Heidezüchtung

Zeitlicher Züchtungsablauf bei Winterheide (Erica carnea)


1. Jahr: Kreuzung und Samenernte1. Jahr: Kreuzung und Samenernte
2. Jahr: Aussaat2. Jahr: Aussaat
4. Jahr: Erster Vergleich4. Jahr: Erster Vergleich
7. Jahr: Farbvergleich7. Jahr: Farbvergleich
10. Jahr: Letzter Vergleich10. Jahr: Letzter Vergleich
Mit Heidezüchtung kann man im weitesten Sinne das Suchen von besonderen Pflanzen aus wilden Heidebeständen bezeichnen. Bei dieser Sichtweise begann die Züchtung schon vor weit über 100 Jahren. Die englischen Pflanzenliebhaber holten wahrscheinlich schon vor Mitte des 19. Jahrhunderts im Wuchs oder in der Blütenfarbe von der Wildheide abweichende Pflanzen in ihre Gärten. 1843 wurden schon 4 Varietäten der Besenheide (Calluna vulg.), darunter die gefüllt blühende "plena" beschrieben. Die danach in den Gärten zwischen diesen Findlingen gewachsenen Sämlinge bescherten den Gärtnern wieder neue Formen. Werden diese durch Stecklinge vermehrt, also geklont, und mit einem Namen versehen, spricht man von einer neuen Sorte. Inzwischen gibt es weit über 1 000 Heidesorten.

Die Beschreibung aller bekannten Sorten europäischer Heidearten ist unter http://www.heathersociety.org.uk/handy_guide.html (auf englisch) einzusehen. Die Registrierstelle für neue Heidesorten erreichen Sie unter http://www.heathersociety.org.uk/registration.html (Dr. E. Charles Nelson).

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden schon großblütige Kapheide (Erica-Arten vom Kap der guten Hoffnung) gezielt gekreuzt, also die Blüten einer ausgewählten Pflanze mit dem Blütenstaub einer anderen bestäubt. Um 1828 hatte ein Herr Sander aus Kitzingen in seinen Kalthäusern und in seinem Garten 368 Erica-Arten einschließlich Unterarten und Hybriden gesammelt. Bei den europäischen Arten begann die gezielte Züchtung wegen ihrer wesentlich kleineren Blüten erst vor wenigen Jahrzehnten.
Seit 1974 beschäftigt sich die Firma Heidezüchtung Kramer mit der Kreuzung verschiedener winterharter Heidearten.

Normalerweise kann man nur Pflanzen einer Art miteinander kreuzen. Nur ausnahmsweise gelingt durch eine Bestäubung mit dem Pollen einer anderen Art auch eine Befruchtung. Die daraus entstehenden Pflanzen nennt man Arthybriden.

Neben der eben genannten Kreuzungszüchtung gibt es noch die Mutationszüchtung. Das ist das Erzeugen und Auffinden von Mutanten, den plötzlichen Veränderungen an schon bekannten Sorten oder Sämlingen. Die Mutationsrate, also die Anzahl der sonst sehr selten auftretenden Mutanten kann man durch Chemikalien und Röntgenstrahlen erhöhen.

Die heute so wichtige Knospenblütigkeit, also das Nichtöffnen der Knospe bei der Besenheide, ist ebenfalls durch Mutation entstanden. Schon aus dem Jahre 1903 ist der Fund einer Calluna-Knospenheide bei Golm in der Provinz Brandenburg durch den Botaniker P. Ruthe beschrieben. 1936 benannte die bekannte britische Heidegärtnerei G. Underwood eine andere Knospenheide erstmals mit dem Sortennamen 'Underwoodii'.

Von der Firma Heidezüchtung Kramer gezüchtete Sorten sind in der Liste der Heidesorten kenntlich gemacht.

Informationen zum Sortenschutz